Schneelast bringt 6 Monate alte Halle zum Einsturz – Dachdeckerbetrieb verantwortlich

Pressemitteilung des OLG Hamm vom 18.06.2013

Schneelast bringt 6 Monate alte Halle zum Einsturz – Dachdeckerbetrieb
haftet

Ein Dachdeckerbetrieb haftet für eine infolge von Schneelast eingestürzte,
erst 6 Monate alte Lager- und Verladehalle, weil er die den
Einsturz verursachende mangelhafte Bauausführung zu verantworten
hat. Das hat der 12. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm mit Urteil
vom 12.04.2013 unter teilweiser Abänderung der erstinstanzlichen
Entscheidung des Landgerichts Siegen entschieden.
Die Klägerin, ein in Attendorn ansässiges Unternehmen, produziert
und vertreibt u.a. sanitärtechnische Produkte und Rohrleitungssysteme.
Im Jahre 2009 ließ sie auf ihrem Attendorner Betriebsgelände in
Stahlbauweise eine Halle zur Lagerung und Verladung von Rohren
errichten. Die Beklagte, ein Dachdeckerbetrieb aus Lennestadt, führte
Stahlbau-, Fassaden- und Dacharbeiten aus. Dabei hatte sie auch die
Werkstattpläne und Montagezeichnungen anzufertigen. Die der Beklagten
zur Verfügung gestellte Statik sah eine Dachkonstruktion vor,
bei der Anschlussbleche in der Weise an die Hohlprofile der Fachwerkträger
anzubinden waren, dass die Bleche in einen ausgeschnittenen
Spalt der Hohlprofile eingefügt werden sollten. Abweichend hiervon
ließ die Beklagte Werkstattpläne und Montagezeichnungen erstellen,
nach welchen die Anschlussbleche nicht in die Hohlprofile eingelegt,
sondern ausgeschnitten und teilweise um sie herum geschweißt werden
sollten. Mit den so geänderten Anschlüssen wurde die Dachkonstruktion
errichtet.

Die fertige Halle nahm die Klägerin im August 2009 ab. Am 02.02.2010
stürzte die Halle infolge von Schneelast ein. Sie wurde vollständig zerstört.
Ursächlich war die in den Plänen der Beklagten vorgesehene,
von der ursprünglichen statischen Berechnung abweichende Ausführung
der Blechanschlüsse an die Fachwerkträger. Die Klägerin ließ die
Halle wiederaufbauen und hat den ihr entstandenen Schaden auf über
2 Mio. € beziffert, den sie von der Beklagten ersetzt verlangt.
Der 12. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm hat die Beklagte dem
Grunde nach zum umfassenden Schadensersatz verurteilt und den
Rechtsstreit zur Aufklärung der Anspruchshöhe an das Landgericht Siegen zurückverwiesen. Die ihr obliegenden Stahlbauarbeiten habe
die Beklagte mangelhaft ausgeführt. Die ausgeführten Anschlüsse der
Bleche an die Fachwerkträger seien ein wesentlicher Bauwerksmangel,
den die Beklagte zu vertreten habe. Insoweit könne sich die Beklagte
nicht entlasten. Soweit sie einen technischen Zeichner mit der
Erstellung der Werkstattpläne und Montagezeichnungen und einen
Subunternehmer mit der Ausführung der mangelbehafteten Arbeiten
beauftragt habe, müsse sie für deren Verschulden einstehen. Dass die
Änderung der Anschlüsse vom Architekten der Klägerin gebilligt worden
sei, sei nicht bewiesen. Von einem anspruchsmindernden Mitverschulden
der Klägerin sei nicht auszugehen. Zwar seien ihrem Architekten
und dem von ihr beauftragten Statiker die fehlerhaften Werkstattpläne
der Beklagten übersandt worden. Die Klägerin müsse sich
aber nicht vorhalten lassen, dass ihr Architekt und ihr Statiker den Fehler
nicht erkannt und gerügt hätten. Ein Bauherr schulde dem beauftragten
Unternehmer nicht dessen Beaufsichtigung.
Urteil des 12. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom
12.04.2013 (12 U 75/12), nicht rechtskräftig (BGH VII ZR 133/13).
Christian Nubbemeyer, Pressedezernent

Quelle: Auszug aus der Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Hamm vom 18.06.2013 zum nicht rechtskräftigen Urteil des 12. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom
12.04.2013 (12 U 75/12)

veröffentlicht von Rechtsanwalt Martin Bloch